Eine Z-Netz - Mailbox

Versuch einer Beschreibung der näheren Umstände einer Z-Netz Mailbox

Die folgenden Texte wurden im Frühjahr 1991 auf einem Z-Netz Arbeitstreffen von einigen Systembetreibern erstellt und zusammengestellt. Die Intention aller Texte ist es, klar darzustellen, was WIR unter Mailbox und Z-Netz verstehen und auch so etwas wie unsere Netzidentität darzustellen. Für viele sicherlich nachvollziehbar. Diese Texte sollen Neu-Einsteigern unbedingt zur Verfügung gestellt werden und sind jetzt das erste Mal veröffentlicht.Einige Systeme wurde bereits aufgrund dieser Texte ans Netz angeschlossen.

Autoren (in loser Reihenfolge, die Eigentumsrechte an den Texten sind mittlerweile nicht mehr nachvollziehbar) sind: DOKTOR.HOOK@IUS / GHOSTWRITER@HOT / PADELUUN@BIONIC / JOSE@JUST-BOX / HACKOWITZ@IUS / EMOTEK@DOO

Sie möchten eine Mailbox betreiben - warum denn?

Für den Betrieb und die Einrichtung einer Mailbox gibt es die unterschiedlichsten Gründe. Diese Tatsache ist natürlich nicht weiter verwunderlich, da die heutigen Mailboxprogramme für die unterschiedlichtsten Zwecke benutzt werden können, die unter den Begriff der Datenkommunikation fallen.

Der "normale" Mailboxbetrieb ist in der Regel eine Verbindung mehrerer Einsatzmöglichkeiten des Mailboxsystems:

Die eine Einsatzmöglichkeit schließt die Andere im seltensten Fall aus. User stellen Ansprüche - wer ein System eröffnet, kann sich kaum ausschließlich einem der oben stehenden Punkte widmen, außer er hat Mitarbeiter, die das für ihn erledigen. Doch wer redet hier von Widmung, Hingabe oder gar blanker Arbeit?
Ist es denn nicht so, daß die Benutzer des Systems diejenigen sind, die gewisse Ansprüche haben und sich deshalb an den bevorzugten Sparten beteiligen sollten?

Weit gefehlt!
Auch in der Mailboxscene gilt der Leitsatz: VON NIX KOMMT NIX.

In einer heutigen Mailbox müssen Gespräche, Aktionen u. Datentransfer zum ersten "angeleiert" und zum zweiten auch am Laufen gehalten werden. Das ist ARBEIT. Hinzu kommt ein gewisser Anteil an unumgänglichen Verwaltungsaufgaben, der sich noch erhöht, falls die Box an ein Mailboxnetz angeschlossen wird.

Zusätzlich zur Arbeit in seinem Mailboxsystem erwarten den Systembetreiber noch zwei weitere Unanehmlichkeiten:

Der "Spaß" der Mailboxführung ist im Allgemeinen selbst nach der Anschaffung der Hard- und Software nicht gratis. An erster Stelle ständen da die Kosten für den Telefonanschluß. Doch das ist nicht alles. Hinzu kommen Gelder für die Informations und Datenbeschaffung. Dies geschieht in der Regel über Mailboxnetzwerke. Doch dadurch entstehen neben dem Gedeih der eigenen Telefonrechnung, noch Kosten bei der Organisation und Absprache mit den anderen Systemen.

Auf diese Dinge wird im Folgenden noch näher eingegangen.

Nun zum dritten Punkt der Unannehmlichkeitsliste: Die Verantwortung

Hiermit ist nicht nur Ihre Verantwortung den Usern gegnüber gemeint, sondern auch die ihrer Position in den Mailboxnetzen und der Datensicherheit. Dazu später mehr.

Jetzt verstehen Sie sicher, warum wir die Frage nach Ihren Beweggründen "eine Mailbox zu betreiben" stellen. Für eine erfolgreiche Mailboxführung, müssen die oben genannten Punkte auf Dauer geklärt bzw. geregelt werden, sonst ist das Projekt mehr oder weniger zum Scheitern verurteilt. Die Alternative, die sich anbietet, ist die Beteiligung an einem bereits existierenden System. Der dortige Sysop hat schließlich genau die gleichen Probleme und wird sicher über diverse Unterstützungen dankbar sein.

Eine Mailbox allein macht noch kein Netz!

a.) Allgemeines, Begriffliches / Netzwerk

Ein Modem kann nicht nur Anrufe entgegennehmen, sondern auch selber telefonieren. Ihr Mailboxsystem ist somit in der Lage automatisch andere Mailboxen anzurufen. Zerberus ist auch in der Hinsicht kommunikativ. Ein eingebautes Protokoll, eine Vereinbarung also, über den Ablauf des automatischen Transfers, ermöglicht es dem Mailboxbetreiber Brettdaten mit einer oder vielen anderen Mailboxen auszutauschen. Diesem Umstand haben wir die öffentlichen Mailboxsysteme zu verdanken. Der automatische Brettdatenaustausch sprengt den lokalen Horizont und die begrenzte Anzahl an erreichbaren Teilnehmern. Informationen gelangen automatisch - also auch unabhängig vom Inhalt - in viele andere Mailboxsysteme - also durch dezentrale Kopien löschgeschützt - vielen anderen Teilnehmern erreichbar. Kommunikation entsteht. Nachrichten werden geschrieben, die Mailbox verbreitet diese automatisch, es wird geantwortet, Bezug genommen, diskutiert, belegt, widerlegt.
Bedingung für den automatischen Datentransfer von ZERBERUS ist, daß in allen angeschlossenen Systemen die gleichen Bretter vorhanden sind. ZERBERUS sorgt durch die entsprechende Installation nun dafür, daß die Inhalte der angeschlossenen Systeme automatisch ergänzt werden. Landet ein Text in der Mailbox DOO, wird er des Nachts automatisch in alle Systeme kopiert, die a) über das gleiche Brett verfügen und b) mit der DOO in Telefonkontakt stehen. Gleiches gilt nun für alle Systeme, die an Systemen angeschlossen sind, die an der DOO angeschlossen sind. Die Kette ist unendlich fortzuführen.
Wird eine Nachricht einmal versandt ist sie praktisch nicht mehr aufzuhalten. Ein Mailboxsystem kann zwar diese Nachricht LOKAL löschen, aber alle anderen Systeme verfügen weiterhin über diese Nachricht (oder über eine Kopie dieser Nachricht - aber auf digitalen Wegen ist jede Kopie ein Original).

Ein Netzwerk ist nun der Zusammenschluß von vielen Mailboxsystemen, die sich auf gleiche Bretter geeinigt haben und in eben diesen Brettern auch die gleichen Inhalte haben. Das Nachrichtenaufkommen in diesen Netzbrettern ist schon allein daher wesentlich höher als in lokalen Brettern, weil wesentlich mehr Personen Zugang zu diesen Brettern haben.
Davon ab bietet ein Netzwerkbrett auch eine hervorragende Möglichkeit, Informationen weit zu verbreiten, viele Leser schnell und unbürokratisch zu verbreiten und schnell Bezug auf Texte zu bekommen. Mensch ist in einer Mailbox in der Lage in verschiedenen Diskussionen gleichzeitig teilzunehmen, unabhängig von Entfernung und Uhrzeit mit vielen Menschen gleichzeitig zu kommunizieren.

b.) Moral und Ethik

Netzwerkbretter werden zwischen vielen Mailboxsystemen ausgetauscht. Innerhalb dieser Systeme besteht also eine gewisse Übereinstimmung in den Brettnamen, denn dies ist die Grundbedingung für den Brettaustausch.
Die Bretter nun, da sie automatisch und fast gänzlich (von Wartungsarbeiten einmal abgesehen) ohne das Zutun des Systembetreibers ausgetauscht werden.Diskussionsbretter sind für Diskussionen geschaffen, sie dienen der Verständigung, denn die weite Verstreuung der Z-Mailboxen ist ein starkes Hindernis für wöchentliche Treffen aller Systembetreiber!
Also verständigen Sie sich in Diskussionsbrettern. Die Diskussion ist schwierig und ungewohnt. Sie sehen und spüren ihr Gegenüber nicht. Es erfordert ein ganz besonderes Fingerspitzengefühl sich nicht im Ton zu vergreifen,niemandem auf den Schlips zu treten und es allen recht zu machen, daher vermeiden Sie es bitte!
Es sollte selbstverständlich sein, Nachrichten zu unterlassen, mit nicht menschenwürdigen Inhalten, also rassistischen, sexistischen, faschistischen oder chauvinistischen. Sollte eine derartige Nachricht auf das Netz gelangen, so seien Sie versichert, diese Nachricht wird nicht ignoriert! Es ist eine der schnellsten und effektivsten Methoden um sein persönliches Postfach mit ganz bösen Briefen zu füllen.

Eine Diskussion in einem Netzwerk ist keine richtige Diskussion. Es ist zwar möglich, direkt auf einen Beitrag einzugehen, aber die Spontaneität einer echten Diskussion wird niemals erreicht. Es ist eben eine andere Diskussion.

Textkommunikation und die Geschwindigkeit der Nachrichten- Verbreitung zwischen Mailboxsystemen zeigen ein neues Kommunikationsverhalten. Das ist wichtig, denn Mailbox- Kommunikation ist eine neue Form der Kommunikation. Eine Antwort auf eine Nachricht ist schnell getippt, dafür sorgt die Antworten- Funktion des Zerberus. Eine Mail ist ersteinmal unpersönlich. Dies wird verstärkt durch den Umstand, daß der Kommunikations- Partner nicht persönlich bekannt oder anwesend ist. Da vergreift man sich schon einmal im Wort, ohne es zu bemerken. Das direkte Feedback fehlt und führt schon das eine oder andere Mal zu Verwirrung und Unsicherheit. Häufig wird genau dieser Charakter der Nachrichten bei den Empfängern oder direkt Angesprochenen vergessen!

c.) Erwartungen

Das Netzwerk arbeitet ersteinmal ohne Sie. In vielen anderen Mailboxsystemen nutzen bereits viele andere Menschen das Medium Mailbox und benutzen Netzwerkbretter als Informationsverbreiter. Ihre Netzwerkbretter werden sich also füllen, ohne Ihr zutun.

Das Z-Netz

a.) Background

Das Z-Netz ist kein Netz für Computerfreaks. Das heißt nicht, daß es gar keine Computerfreaks im Z-Netz gibt. Die finden sich auch hier. Aber das Z-Netz versteht sich als ein Informations- Netzwerk für 'alle'. Der Informationsaustausch steht im Vordergrund. Verallgemeinernd mag das so aussehen:

Eine Z-Netz-MailBox bietet im Normalfall keinen SoftWare- Up'n'Download und keine Pornografie-Bretter an. EinE Z-Netz- SystembetreiberIn geht nicht mit dem typischen "Sysop-Bewußtsein" an seine/ihre selbstgestellte Aufgabe heran. Eine Z-Netz- MailBox wird als eine Dienstleistung für die Öffentlichkeit bereitgestellt. Was das im einzelnen bedeutet, steht in diesem Text.

b.) Struktur

Jede Nachricht, die in ein Netzbrett eingespielt wird, wird automatisch für alle anderen amgeschlossenen MailBoxen bereitgestellt. Angenommen, sie beziehen Nachrichten von der MailBox "AAA" und die MailBoxen "BBB" und "CCC" beziehen das Z-Netz von Ihnen, dann werden auf der Festplatte drei mal die Datei mit der Nachricht abgelegt. Weitere Nachrichten werden an diese Datei angehängt. Sobald Sie z.B System "AAA" anrufen, wird die entsprechende Datei komprimiert und an "AAA" übertragen.

Damit nun alle Nachrichten in allen angeschlossenen MailBoxen ankommen, gibt es eine Serverstruktur und eine Koordination, die neue MailBoxen bekanntgibt (Sie müssen sich als neue MailBox über Ihren Server bei der Koordination anmelden). Von Zeit zu Zeit - meist in monatlichen Abständen - postet (veröffentlicht) die Koordination eine Karte, in der die Rout-Verbindungen der Z-Netz-MailBoxen aufgeführt sind. Außerdem wird eine Liste gepostet, in der alle Voll-Z-Netz-Boxen, nebst Telefonnummern und Standort zu finden sind.

Größere MailBoxen mit aufwendiger Hardware und großen Festplatten nebst schnellen Modems übernehmen die Hauptserverdienste. Sie müssen besonders zuverlässig sein - ein Ausfall eines Servers bedeutet zwar nicht den Untergang der Welt, ist aber unangenehm - da für alle Systeme mit Arbeit verbunden.

c.) Zukunftsphantasien

Eines Tages wird es in jeder Stadt und in jedem Dorf einen oder mehrere Netzknoten - MailBoxen - geben. Die Z-Netz-MailBox gehört genauso zum Stadtbild wie die örtliche(n) Zeitung(en), die Brauerei, das Kranken- und das Rathaus. Eine MailBox wird viele Familien ernähren - heute noch Utopie - morgen schon Realität. MailBoxbetreiber wird ein Studienberuf sein. Bei großen Sysop- Kongressen/Messen wird das Know-How ausgebaut. Redaktionsdienste (oder künstliche Intelligenzen) bereiten die tägliche Datenflut für alle Angeschlossenen auf. Gepollt wird über Satellit. Nur für den Bezug von speziellen Themen und für die Antworten werden Modems (oder ISDN-Karten) noch gebraucht.

Wichtig für Sie als Systembetreiber ist aber die Motivation: Wenn Sie "MailBox machen um Geld zu verdienen", werden das Ihre Kunden und Kundinnen sehr schnell merken und Ihnen das Vertrauen entziehen. Die Motivation soll sein: Freien Menschen in einer freien Welt freien Zugang zu freier Kommunikation ermöglichen. Bedenken Sie: Mit wenig Aufwand kann sich neue Konkurenz etablieren. Ein Z-Netz-Monopol gibt es nicht und soll es nicht geben. Darum: Bieten Sie Qualität! Quantität können andere auch bieten. DAS ist keine Kunst.

Realität

Noch sieht es im Z-Netz leider anders aus. Das Medium ist längst noch nicht "zu Ende erfunden". In den Koordinations- Brettern erleben wir tagtäglich den Meinungsaustausch von Systembetreibern.Dieser ist - vornehm ausgedrückt - nicht immer schön. Viel hat seine Ursachen darin, daß viele Menschen nicht zwischen Information und - Verzeihung - Geschwätz unterscheiden können. Die Koordinationsbretter sind dazu gedacht, daß alle dieses Medium mitgestalten können. Aber dazu muß gleichzeitig der Umgang mit diesem Medium gelernt werden. Unangenehm sind Law'n'Order-Mails. Dies sind Mails mit dem Inhalt "Tragt System (aus der Z-NETZ-Liste) aus, weil ..." oder "Kann die Koordination nicht mal etwas gegen ... im Brett ... unternehmen".
Die Koordination ist nicht als Netzpolizei oder gar Gesetzgebende Gewalt anzusehen. Sie hat lediglich über die Ordnungsmäßigkeit neuer MailBox-Systeme zu befinden, sie in die Z-Netz-Liste einzutragen und zu Brettwahlen aufzurufen. Für alles andere sind die SystembetreiberInnen allein verantwortlich. Wenn Sie etwas in Brettern ärgert, dann schreiben Sie bitte den betreffenden User oder Userin privat an. Das 'flamen' in öffentlichen Brettern ist verpönt. Allerdings: Denken Sie bei allen Handlungen daran, daß WIR EIN FREIES NETZ sind. Handeln Sie bitte nie gegen die Netzinteressen.

"Freie Information für freie BürgerInnen" - Alle passen auf, daß sich an keiner Stelle im Netz zuviel Macht konzentriert.Das ist richtig - artet aber oft darin aus, daß System- BetreiberInnen, die viel für das Netz tun, des Machtmißbrauchs bezichtigt und beschimpft werden (das passiert zum Beispiel Großservern und Netzkoordinatoren regelmäßig). Das ist kontraproduktiv und hat seine Ursachen oft darin, daß viele Systembetreiber dem relativ abstrakten Netzwerkgedanken mit einer gewissen Fassungslosigkeit gegenüberstehen. Oft wird aber auch berechtigte Kritik falsch formuliert oder vom Kritisierten falsch aufgenommen. Hier müssen wir alle lernen mit unserem Netz-Medium gut umzugehen. Faustregel: Alles was unnötig Energie verbraucht hat zu unterbleiben. Zank ist unnützer Energieverbrauch.

"Freie Information für alle" wird oft fälschlich mit "Kostenlose Information für alle" übersetzt. Eine "KommerzBox" wird betrieben, um viel Geld zu verdienen (was derzeit noch nicht möglich ist). Unsere ERNSTHAFT betriebenen MailBoxen müssen sich auch selber finanzieren. Als Z-Netz-Box sollte man sich seiner Aufgabe bewußt sein und daran denken, (s)eine Dienstleistung auch über Jahre hinweg garantieren zu können. Dazu gehört eine Unterhaltssicherung der Mailbox. Nicht nur auf finanzieller - auch auf personeller Ebene. Gibt es meine Mailbox auch ohne mich - gibt es meine Mailbox auch ohne mein Geld?
Erst wenn beide Fragen mit Ja beantwortet werden können, kann man sicher sein, über lange Zeit eine Mailbox garantieren zu können und seinen Service, seine Dienstleistung "Z-Netz-Box" anbieten zu können.

Ein besonders heikles Thema ist der Datenschutz in und um einer Mailbox. Gerade Sysops einer Mailbox neigen dazu, sich als "die Herren des Systems" geradezu unanfechtbar zu fühlen und den "großen Obermotz" raushängen zu lassen. Dabei sollte doch mal bedacht werden das auch der gemeine User ebenfalls Rechte hat, auch wenn er NICHT der Besitzer der Box ist und weder Arbeit noch Gelder investiert. Die privaten Mails der User untereinander, sollten also nicht gerade dazu dienen, daß der Sysop sie ausdruckt und an die Wand hängt, damit jeder sie betrachten kann. Auch ein Sysop hätte wohl was dagegen, wenn auf seinem Klo eine Videokamera läuft. Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, daß das Vertauensverhältnis SYSOP zu USER von keiner der beiden Seiten leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden sollte. Auch das unabsichtliche Mitlesen einer Persönlichen Nachricht, stellt einen nicht wiedergutzumachenden Vertrauensverlust dar, egal ob daraus ein Vorteil gezogen wird oder nicht.

Hier noch ein paar Beispiele mißbräuchlichen Verhaltens die sich hoffentlich nicht wiederholen:

Tatsache ist, daß bei einem Mailboxsystem, was in irgend einer Weise ernst genommen werden möchte, egal ob hobbymäßig oder professionell betrieben, der Userdatenschutz groß geschrieben werden muß.

Ein "bespitzltes" Kommunikationsmedium stellt IMMER ein kontrolliertes Kommunikationsmedium dar, und derer haben wir genug.

Um den Datenschutz sicherzustellen, lassen sich die User, Sysops und Programmierer der Mailboxsysteme immer neue Verbesserungen und Tricks einfallen. Bei verschiedenen Mailboxprogrammen kann der User sonstige Ausgben (Bsp.: Console/Bildschirm div. Ports) abschalten, bei anderen Sytemen, werden die Consolenausgaben beim Lesen der User-PMs grundsätzlich verschlüsselt oder unkenntlich gemacht. Eine weitere Sicherheitsmaßnahme, ist die automatische Verschlüsselung der im persönlichen Fach (PM) des Users befindlichen Nachrichen, mit dem nur ihm bekannten Paßwort. Dieses sollten Sie bei der Auswahl des Mailboxprogrammes beachten.

Eine Mailbox zu betreiben ist in vielen Fällen eine Sache des Sysops, doch auch andere Möglichkeiten stehen zur Wahl, wenn man den meist unterschätzten Arbeitsaufwand betrachtet.

Die Möglichkeit eine Mailbox über einen Verein zu organisieren bietet viele Vorteile, erfordert allerdings auch einiges an organisatorischen Investitionen.

Zunächst einmal die Unterscheidung zwischen Verein und eingetragenem Verein: der eingetragene Verein ist eine Rechtsform, die den Vorstand - abgesehen von grober Fahrlässigkeit - nicht für seine Taten haften läßt. Es wird mit dem Vereinsvermögen gehaftet. Der Umsatz des Vereins darf 7000,- DM jährlich nicht übersteigen - darüber greift dann das Finanzamt kräftig mit in die Vereinskasse! Ein eingetragener Verein kann ein Konto bei der BfS (Bank für Sozialwirtschaft - als gemeinnütziger Verein) führen lassen.
In einem nicht-eingetragenen Verein haftet der Vorstand in Person! Ein Konto kann unter dem Vereinsnamen bei dem Postgiroamt eröffnet werden, dazu wird die Satzung und das Gründungsprotokoll, unterschrieben von den Gründungsmitgliedern, benötigt. Zwei Personen des Vereins (in der Regel der Vorstand) hat dann Zugriff auf dieses Konto. Führen Sie Buch über ihre Transaktionen! Am besten doppelt. Zettelwirtschaft kann bei einer Überprüfung durch das Finanzamt (na, haben wir denn mehr als 7.000,- DM Umsatz 1990 gehabt?) fatale Folgen haben (der Vorstand haftet!!!).
Es ist sinnvoll für einen Verein, bzw. eine Vereinsmailbox auch die Räumlichkeiten bieten zu können, also ein Büro nur für die Mailbox oder als Treffpunkt. Ebenso ist es ratsam die Hard- und Software der Mailbox aus dem Vereinsvermögen anzuschaffen. Dies vermeidet, daß in einem Streitfall der Betrieb und das Klima der Mailbox gefährdet werden.
Ein Verein ist kein Einmann-Unternehmen. Und der Betrieb einer Mailbox erfordert eine Menge Nerven und Kraft, Zeit und Organisation. Ein Verein ermöglicht es durch seine personelle Struktur, auch die anfallende Arbeit beim Betrieb einer Mailbox auf viele Schultern zu verteilen. Sicherlich findet jeder der bei der Systemwartung beteilligten Personen ein spezielles Aufgabenfeld. Auch hier herrscht das Gebot "Kommunikation". Diesmal ist allerdings die Kommunikation untereinander im Betreuerteam gemeint! Teilen Sie sich die Aufgaben der Systemkoordination gerecht und nach Neigungen! Teamwork multipliziert hier die Möglichkeiten!

Sollte ein absolut unerklärliches Problem auftauchen, fluchen Sie nicht sofort, besprechen Sie das Problem im Team und fluchen Sie dann gemeinsam. Das ist viel schöner!