Lektion: "Ein Leben nach den Power Chords" und Rhythmusideen

von Judy Letostak (letostak@ix.netcom.com)

Originaltitel: Life beyond Power Chords - Rhythm ideas

Ich hoffe dieses hilft einigen Leuten. Wenn ich irgendwelche Fehler gemacht
habe, oder mich nicht klar ausgedrückt habe , dann lass es mich wissen damit
ich Korrekturen vornehmen kann. Ich zeige nur Dur- , Moll- und einige sus-
Akkorde. Denn 7th, 9th, 13th... werden in der Rockmusik nicht oft benutzt.
(Manchmal... aber nicht oft.)
Doch ich könnte mich auch irren, es wäre nicht das erste mal :)

1.
Hier ist ein A Dur Akkord mit einem C# im Bass.
Bekannt als "Invertierter Akkord". Das ist einfach nur eine andere Note
(z.Bsp. Terz, Quinte oder Septime ... als die `Bass` Note.) anstelle der
Grundnote (A) zu nehmen. Es ist immer noch ein A Dur Akkord, doch das C# nimmt
den Platz als Bassnote des A `s ein. Es verändert den Klang des Akkords,
und klingt nett. Lass nur mal den Bassist ein A spielen...es wird dem A Akkord
einen ganz anderes Gefühl geben.

1.               2.

 A/C#            E                           D  D      A/C#
|-------------|-----------------------------------------------------------|
|----2--------|------------------------------7--7------2------------------|
|----2--------|------------------------------7--7------2------------------|
|----2--------|----------------2-------------7--7------2------------------|
|----4--------|---------2h4h5-----5--4--2----5--5------4------------------|
|-------------|---0--0----------------------------------------------------|

2. Dieses ist der Chorus zu einem meiner Songs, in der Tonart A.
Es ist eine wirklich simple Griffolge. Der Bassist tritt E zum ersten Riff,
dann spielt er D D  A, und ich benutzte den A/C# , denn er klingt ein wenig
interessanter als ein einfacher A Dur Akkord. Und es macht einen sehr
kommerziell klingenden Song daraus.

3
   E      E/F#    G#-moll A     B7
|--0------0--------------------0-------|
|--0------0--------------2-----0-------|
|--1------1--------------2-----2-------|
|--2------2-------2------2-----1-------|
|--2------x-------2------0-----2-------|
|--0------2-------4--------------------|


3.  Hier ist die Strophe (der Vers) von dem selben Song. Der erste Akkord
ist ein E Dur Akkord. Dem zweiten Akkord Akkord fügte ich ein F# hinzu,
und dämpfte die A Saite mit meinem zweiten Finger. Der letzte Akkord ist
teilweise ein B7 Akkord. Ich lasse die B und A Saiten offen klingen.
Das führt zu einem E Dur , und lässt die Strophe von neuem anfangen.

4
     Esus   Csus   Am     Am/F#(nicht sicher)
|----0------0------0------0------------------------------------------------
|----0------0------1------1------------------------------------------------
|----0------4------2------2------------------------------------------------
|----4------2------2------2------------------------------------------------
|----2------3------0------3------------------------------------------------
|----0--------------------2------------------------------------------------
                          T*=Daumen

4.  Das ist eine Kraftvolle Griff-Folge. Ich benutze sie mit viel Distortion,
denn das gibt nette Obertöne. Es startet mit einem E sus chord, eine schöne
Alternative zu E Moll (Hör dir für die Benutzung dieses Akkordes mal Rush`s
"No One at the Bridge" an).  Der zweite Akkord ist wie ein Em Power Chord
,doch benutze ich ein C in der Bass Position, und benutze leere Saiten.
(Wenn jemand den Namen für diesen Akkord kennt, lass es mich wissen.)
Dann der gewöhnliche A Moll Akkord. Doch beim letzten Akkord spiele ich
anstelle von erneutem spielen des A Moll Akkordes, a-Moll mit hinzugefügtem
C und F# (F# spiele ich mit dem Daumen meiner rechten Hand!).
Das ist ein schönes Ende der Griffolge. Ich bin mir nicht ganz sicher
mit der Bezeichnung des Akkordes.

5
     F       G
|----0-------0------|
|----0-------0------|
|----2-------4------|
|----3-------5------|
|-------------------|
|-------------------|

5.
Hier ist eine andere Alternative zu F und G Powerakkorden oder Barre-Akkorden
Es werden auch wieder leere Saiten gespielt(ja, ich hab was übrig für leere
Saiten :) ). Das ist ganz gut wenn man die Saiten zupft, nachdem man sie ange-
schlagen hat. Es gibt ein haufenweise Benutzung dafür.  Ich glaube George Lynch
benutzte solche Akkorde als er noch bei Dokken war. Sie klingen schön, wenn du
die leeren Saiten klingen lässt.

Der Daumen kann aber noch viel mehr bringen. Es braucht ein wenig Übung dafür,
aber Hendrix benutzte es zur Perfektion.

6                           7
    d-Moll     D-Dur               C5        D5
|--------------------------|----------------------------------------------|
|---6---------7------------|----------------------------------------------|
|---7---------7------------|------5--------7------------------------------|
|---7---------7------------|------5--------7------------------------------|
|--------------------------|----------------------------------------------|
|--------------------------|----------------------------------------------|


6.  Ich hatte mal bemerkt, wenn ich  mit einem basslastigen Heavy Guitar Sound
viel Verzerrung benutze hören sich die Songs undeutlich an. Der Bass-Knopf
meines Verstärkers ist abgebrochen, als mein Gitarrenkoffer draufviel.
Zu dem Zeitpunkt stand der Bass-Knopf auf "10", und so hatte ich seitdem diesen
bassigen Guitar Sound. Ich benutzte Triade nur noch auf den hohen (e,b und g)
Saiten um dieses Dilemma zu kompensieren (Ich hasse Stampf-Pedale, es sei denn
es ist ein Equalizer). Dazu kommt noch der Fakt, das unsere Bassistin sehr laut
ist und auch einen heavy-Bass-Sound hat. Also benutzte ich diese Triade, um die
Höhen und Mitten in unseren Band-Sound einzubringen.

7. Diese sind wie Power Chords, doch anstelle von Grundton, Quinte, und nochmals
Grundton haben sie nur Quinte und Grundton. Das ist super, denn du kannst ein
Heavy Vibrato verwenden, weil du nur einen Finger benützt um zwei Noten zu
greifen. Hier sind noch welche.

    G       G            A
|-------|---------|------5------|
|-------|---8-----|------5------|
|-------|---7-----|-------------|
|---5---|---------|-------------|
|---5---|---------|-------------|
|-------|---------|-------------|


8
    D-Dur    E-moll     A-Dur      E-moll     G-moll     C-Dur     Cmoll
|---------|---------|-----------|----------|----------|----------|--------|
|---------|---------|-----------|----------|----------|----5-----|---4----|
|---------|---------|-----------|----------|----3-----|----5-----|---5----|
|----4----|---5-----|-----------|----5-----|----5-----|----------|--------|
|----5----|---7-----|----4------|----7-----|----------|----------|--------|
|---------|---------|----5------|----------|----------|----------|--------|


8. Dieses sind diads, Zwei-noten-Akkorde, bestehend aus Grundton und Terz.
Eine nette alternative zu Triade oder Barre-Akkorden.

Nuno Bettencourt benutzt haufenweise Triade und Diads zusammen mit Einzelnoten-
dingen. Wenn du noch nie "Extreme" gehört hast, empfehle ich dir die ersten zwei
Albums. Er macht viele interessante Sachen während er Rhythmusgitarre spielt.
Natürlich macht er auch interessante Sachen wenn er Leadgitarre spielt.

9

|--------------------------------------------------------------------------
|----5----5---5----5----5-----5--------------------------------------------
|----5----5---5----5----5-----5--------------------------------------------
|----7----6---5----4----3-----2--------------------------------------------
|--------------------------------------------------------------------------
|--------------------------------------------------------------------------


Hier haben wir ein Klischee-Rhythmus Pattern das Yngwie in "Dreaming Tell
Me" (- Odyssey Album) benützt, doch wenn du es sparsam einsetzt und den
A Moll Akkord hältst aber die Bassnote änderst kann es ganz nett klingen.
Doch sei vorsichtig, es kann nach einer Zeit monoton werden. Ich machte mal so
was ähnliches mit meiner letzten Band. Unser anderer Gitarrist spielte ein Riff
in a-Moll und der Bassist änderte die Bassnote abwärts. Und als mein Part des
Songs kam, spielte ich etwas in dieser Art, dem Bassisten folgend, aber den
A-Moll Akkord erhaltend damit ich nicht mit der Rhythmusgitarre aufeinander-
treffe. Ich gab dem Song ein Jazz Feel (andererseits wäre es ein ziemlicher
Heavy Song geworden) und hatte mal das sagen :)

Manchmal schreibt unsere Bassistin einen Song und ich muss was interessantes
für den Rhythmus machen. Sie steht sehr auf "The Cure", und ich muss die
Gitarrenparts so arrangieren, das wir nicht wie "The Cure" klingen.
Doch so fügt sich eins ins andere.

Ich spiele nicht immer Akkorde oder Diads. Manchmal benutze ich eine Melodie
und ihre Variationen mit der Bassline. Ich füge Wende-Licks, und kleinere
schnelle Tonleiterfolgen hinzu (das bringt den Sänger raus ;) ).

    4x                     3x
|--------------------|-------------------|
|--------------------|-------------------|
|--------9h10p9~-----|-------9tr10-------|
|--10-12-------------|-10-12-------------|
|--------------------|-------------------|
|--------------------|-------------------|
|                    |tr=trill           |
|                    |                   |
|--------------------|-------------------|
|---------3--3--0----|--------5--5--0----|
|--1---1-----------0-|--3--3-----------0-|
|--------------------|-------------------|

Dieses kleine Pattern klingt nett, sehr melodisch und leicht. Doch du musst mit
solchen Dingen vorsichtig sein. Manchmal ist es ganz nett an den Sänger zu
geraten. Doch wenn er/sie nicht darüber singen kann, dann musst du dich ein
wenig zähmen. Die Tonart des Songs ist D-moll. Deshalb spiele ich eine kurze
Melodie in D-moll. Das schöne daran ist, ich spiele die selbe Melodie, aber
meine Bassistin wechselt die Grundnote darunter. Es klingt als spiele ich
etwas kompliziertes ,was es aber gar nicht ist. Es lässt mir auch sehr viel
freien Raum für meine Improvisationen. Ich kann ins Judyland fliegen und
es wird passen (für gewöhnlich).

|------------------------------------|------------------------------------|
|------------------------------------|------------------------------------|
|------------------------------------|------------------------------------|
|---/6--------9p6--/6--------9p6-----|---/4--------7p4--------------------|
|---/7--7--7-------/7--7--7----------|---/5--5--5----------5-4-5-7-5-4----|
|------------------------------------|---------------------------------7--|

Das ist ein Intro-mässiges Dingens, Dur-Diads benutzend, doch mit einer Handvoll
Pull-Offs und einem kleinem käsigem lauf am ende.

Ich hoffe, dies bringt etwas Licht ins Rhythmus Spiel . Anstatt immer
Power Chords zu benutzen. Power Chords sind Klasse, aber man kann noch so viele
andere Sachen im Rhythmus machen. Nicht genug Betonung wird im Rhythmusspiel
verwendet. Es ist eine Schande, das ein Gitarrist zu 90 % seiner Zeit nichts
anderes macht als Power Chords zu spielen (es sei denn du bist Yngwie,
... hab nur Spass gemacht..!). Doch sogar Yngwie experimentierte auf seinen
letzten Alben mit verschieden Akkord-Voicings anstelle von Einzelnoten
zu spielen, die dem Bass folgen. Wenn du dir "Odysey" und "Trilogy" anhörst
wirst du merken, das beispielsweise auf "Trilogie" der Rhythmus sehr oft dem
Bass folgt. Doch auf "Odysey" startet er mit umgedrehten Akkorden und benutzt
interessante Dinge bei den Rhythmus Parts. Viele Leute bemerken dies gar nicht.

Eine andere Sache ist es, dem Schlagzeuger zuzuhören. Das hilft dir bei
Anschlagideen. Es gibt auch Schlagzeugbücher, diese können dir enorm
helfen dein Rhythmusspiel aufzuwürzen.

Ich bin immer auf der Suche nach Rhythmusideen. Also wenn das jemand lesen
sollte (wenn du nicht bis hierhin eingeschlafen bist), der Ideen hat,
bitte schick mir einige, ich werde dankbar drum. Meine Email Adresse steht
am Anfang des Files. Ich werde noch eine Datei schreiben über Soloideen,
und über Musiktheorie auch.

Also wenn du irgendwelche Ideen,Fragen,Kommentare hast: Lass es mich wissen.

Danke, und geniesse!

Judy

Deutsche Übersetzung von Stephan Müller (s.mueller@hit.handshake.de)
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