Wie man Akkorde von Songs raushört
von Mike Livengood (lvengood@gene.com)
Originaltitel: LESSON: Figure out tunes by ear
Als ich anfing Gitarre zu spielen, war ich immer unheimlich frustriert,
dass ich die Songs ,die ich im Radio hörte, nicht Nachspielen konnte,
bis mir jemand zeigte, wie sie gespielt wurden. Das war damals so, vor
den Tagen des Internet
und Gitarrenpublikationen und ausserdem wurde ich aufgezogen von einem
Rudel umherstreunender Wölfe die total Ton-taub waren.
Aus Verzweiflung setzte ich mich nieder mit einem Song , den ich schon
gut kannte, aber nicht wusste wie er gespielt wird (Ich denke es war ein
REO Speedwagon-Song.) Ich spiele herum und stocherte und experimentierte
und schliesslich
nach drei Tagen des probierens...hatte ich es komplett falsch.
Doch der Silberstreif zu meiner an sonst so grauen Wolke, war das ich herausfand
, was man braucht um sich Noten mit dem Gehör rauszupicken. Es braucht
nur Zeit. Um so öfter du versuchst, dir Töne rauszuhören,
um so besser wirst du darin.
Versprochen.
Akkorde
Wie du es machst? Also, Zuerst hör ich der CD ein paar mal genau zu
und nehme das Hauptgefühl des Songs, des Layouts, die einzelnen Sektionen,
die verschiedenen Instrumente, etc. in mir auf. Dann sitze ich mich mit
der Gitarre hin,
und picke mir die Basslinie oder vielleicht auch nur die Bassnoten zu den
Akkordwechsel heraus. Das braucht vielleicht eine Weile, wenn der Bass
schlecht zu hören ist. Manchmal helfen Kopfhörer. Das mit den
Bassnoten machen wir nur,
weil dort keine Dur, Moll, Septimen, Verschiebungen oder so was in dieser
Art ist, das uns gleich am Anfang schon verwirren würde. Ich starte
einfach mit der leeren E-Saite und weiter geht's rauf und runter diese
Saite, probiere jede Note
aus, bis eine passt. Für gewöhnlich nehme ich die gebräuchlichsten
Tonarten (E, A, D, C & G) zuerst. Dann starte ich wieder die CD und
halte gleich wieder an , bis ich die erste Note, dann die zweite, dann
die dritte. Dieser Prozess
lässt für gewöhnlich meine Frau durchdrehen, denn sie hat
diesen ersten Teil jetzt schon 14 mal gehört. Vielleicht entscheidest
du dich doch für Kopfhörer.
Wenn ich schon mal die Bassnoten habe, spiele ich zusammen mit der CD nur
die Bassnoten. Ich probiere auch weiterhin andere Noten aus, für den
Fall, das ich bei einigen Noten nicht sicher bin. Oftmals picke ich mir
eine Note heraus, die
eine Quinte höher ist als die aktuelle Bassnote, und denke sie wäre
richtig...bis ich ein wenig mehr rumsuche und dann die richtige Note suche.
Mit Bassnoten...wirst du wissen, wenn er richtig ist.
So, jetzt habe ich die Akkordwechsel. Jetzt kommt der leichte Teil. Wenn
dein Song ein zeitgenössischer Rocksong ist, dann sind die Akkorde
für diese Bassnoten meist Dur oder Moll. Zugegebenermassen ist es
eine Minderheit von
Bands, die eine kompliziertere Akkordauswahl als diese paar benutzen. Sei
vorsichtig mit so Bands wie die "Stone Temple Pilots", denn die benutzen
sehr kreative Akkorde.
Jetzt ersetze ich einfach die gefundenen Bassnoten mit dur-Akkorden. Einige
werden passen, andere nicht. Für solche die nicht passen, versuche
einen moll-Akkord aus ,und er passt besser. Manchmal ist es nur ein feiner
Unterschied...versuche sie beide auf jeden Fall.
Es gibt Momente in Songs, da hörst du einen Gitarren Akkordwechsel,
doch der Bass wechselt nicht. In diesem Fall sind die Akkorde vielleicht
suspended-Akkorde, die zum Bassnoten-Akkord auflösen. Die sind in
der Rock Gitarre
mächtig im kommen. Gewöhnlich handelt es sich dabei um suspended
2 oder 4 Akkorde. Du kannst diese Akkorde am fehlenden Bassnotenwechsel
erkennen. Die Alternative dazu ist , wenn bei einem Bassnotenwechsel kein
Akkordwechsel
aufzutreten scheint. Das könnte ein Fehler des Bassisten sein...uh...war
nur Spass...wahrscheinlicher ist aber ein Akkord mit veränderter Bassnote.
So wie beim spielen eines C-Dur Akkords, dann ein C/B zu einem Am7. Der
C-Dur klingt immer gleich doch die Basslinie steigt ab.
Hör genau zu ,für Noten die durchklingen bei Akkordwechsel. Findest
du einen gemeinsamen Ton zwischen zwei Akkorden, dann wird es dir helfen
um den Akkordtyp und Greifart zu finden. Gewöhnlich klingen leere
Saiten anders, und sind leicht rauszupicken. Manche Akkordfolgen haben
gemeinsame Noten. Ein Beispiel ist eine Dsus2 (oder D9 oder Dadd9) - E
- F#m7 -Folge. Die gemeinsame Note ist E. (Dies ist die Akkordfolge zu
"Hey Jealousy" von den "Gin Blossoms").
Es hilft auch ein wenig über die Band zu wissen. Hat der Gitarrist
seine Gitarre einen Halbton rauf oder runtergestimmt, oder zu einer anderen
Tonart, oder benutzt er einen Kapodaster? Gibt es bestimmte Akkordwechsel,
die sie oft benutzen? Nebenbei: Versuch keine Michael Hedges Songs rauszupicken,
bis du darin wirklich gut bist.
Für kompliziertere Songs, und Songs mit vielen Akkordwechsel wirst
du einfach so weiterarbeiten
und genau zuhören für die Feinheiten.
Melodie
Jetzt hast du vielleicht annähernd die Akkorde zum Song herausgefunden.
Doch jetzt gibt es noch eine Melodie rauszuhören. Der Trick mit den
Melodien ist es , die erste Note zu kriegen. Danach wird es einfacher.
Picke dir die erste Note der Melodie raus, genau wie du es bei den Bassnoten
gemacht hast.Nimm dir auf der Gitarre eine Note und finde heraus, ob sie
höher oder tiefer als die erste Note der Melodie. Vielleicht aber
eine andere hervorstechende
Note der Melodie ist leichter rauszufinden.
Die Akkorde sagen dir in welcher Tonart du bist. Von hier aus kannst du
in der Dur- oder Moll-Skala rumspielen. In dieser Tonart wirst du die Noten
finden, die passen. Hör dir den Charakter der benutzten Saite an um
dir ein Griffbild zu schaffen. Die selbe Tonhöhe hört sich heller
an wenn sie auf den hohen Saiten in tieferen Bünden gespielt wird,
gegenüber tiefere Saiten und höhere Bünde.
Solo
Das klappt genauso mit den Solos. Wenn du die Akkorde kennst, Nudel mit
der angemessenen Pentatonik-Skala herum bis du das generelle Feeling für
das Solo hast. Starte mit der Grundnote (hoch oder Tief) und weiter geht's
von dort.
Wenn der Gitarrist interessantere Skalen wie die Pentatonik (hoffentlich)
benutzt, dann probiere die Dur oder Moll Skala für den Anfang aus.
Hänge dich nicht zu viel an den Skalen auf. Es gibt nichts, das sagt
das die Noten des Solos in einer bestimmten Skala sein müssen...dies
ist Kunst, und Regeln sind dafür da, das sie gebrochen werden.
Wenn du das eine Weile getan hast, mit verschiedenen Songs, kommst du zu
dem Punkt, wo du beim ersten oder zweiten Versuch Griffolgen und Melodien
spielen kannst (ehrlich, das wirst du!). Am Anfang wirst du ein paar
verkehrte Noten
kriegen, aber im weiteren spielen deines Songs, wirst du beim rausschreiben
Fortschritte erzielen und hauptsächlich dein Ohr trainieren.
Versuch mal einen Song ,der dir im Kopf rumgeht, rauszuschreiben. Spiel
den "Star Spangled Banner" (amerik. Nationalhymne) aus dem Gedächtnis,
oder "Pomp and Circumstance", oder "Mary had a Little Lamb", oder "Little
Drummer Boy".
Es ist später sehr brauchbar , die Melodie die man im Kopf hat auch
spielen zu können. Kümmere dich nicht um die Startnote, oder
welche Skala zu benutzen ist. Wenn du aus dem Gedächnis spielst ,macht
das nichts. Spiel nur die Noten, die du in deinem Kopf hörst, und
fidel rum bis du die Melodie richtig hast.
Erinnere dich daran, das wie im Leben, Musik lernen ist pyramidisch. Alles
vorher gelernte baut sich bis zur Spitze auf.
Eine gute Grundlage ist nötig für den richtigen Fortschritt...und
es braucht seine Zeit.
Sei geduldig ,beharre darauf. Gib dir einen Stoss, und belohne dich für
alleErfolge.
Songs rauszuhören lohnt sich wirklich. Wenn du es heute nicht schaffen
kannst, den Song rauszuhören, setze dich an einem anderen Tag wieder
damit hin.Arbeite weiterhin daran, und bald schon wirst du Songs zur Newsgroup
posten.
Alle Kommentare Willkommen,
M.L.
Mike Livengood (lvengood@gene.com)
Übersetzung von Stephan Müller (s.mueller@hit.handshake.de)